Biokohle- Klimaschutz mit Humusaufbau

Eine neue und zugleich alte landwirtschaftliche Technik könnte laut manchen ForscherInnen globale CO2 Emissionen wirksam im Boden binden.
Chancen der Biokohle
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Schon vor mehreren Jahrtausenden haben Indianer in den Regenwaldgebieten des Amazonas die Fruchtbarkeit ihrer Böden erhöht, indem sie Pflanzenreste, Knochen und Asche in die Erde eingegraben haben. Mit Hilfe dieser sogenannten Terra Preta Böden erhöhten sie ihre landwirtschaftlichen Erträge um das Doppelte. Entdeckt wurden diese Böden vor einigen Jahren von ForscherInnen, die inzwischen immer mehr Spuren dieser Techniken aufstöbern.

Biokohle nur halb soviel CO2 Emissionen
Diese alte Agrartechnik sollte nun mithelfen die steigenden Treibhausgasbelastung durch CO2-Emissionen in den Griff zu bekommen. Ein Teil des Kohlenstoffs in unserer Atmosphäre könnte damit dauerhaft im Boden gebunden werden und als Humus die Bodenqualität verbessern. Diese Art Biokohle (eng. Agrichar oder Pyrochar) entsteht, wenn Biomasse (aller Art Grünschnitt, Erntereste, Holz, aber auch Gülle oder Hühnermist) bei niederer Temperatur und unter Sauerstoffsabschluss verschwelt wird. Dieser Prozess geschieht in Kohlemeilern, ähnlich wie konventionelle Holzkohle. Doch im Gegensatz zur Holzkohle wird die Biokohle nicht als Brennmaterial genutzt, sondern dem Boden zugefügt. Dadurch wird nur halb so viel CO2 freigesetzt, wie bei der Verrottung oder der Verbrennung, da die Kohlenstoffe im Boden gebunden wären.

Global 35 Gigatonnen Treibhausgase binden
Biokohle fördert den Humusaufbau, so dass die Landwirtschaft eine Menge an künstlich erzeugten Düngermittel einsparen könnte, die energieintensiv hergestellt werden müssen. Mit Biokohle gedüngte Böden gelten als idealer Speicher für Nährstoffe. ForscherInnen schätzen, dass diese Prozesse global an die 35 Gigatonnen Treibhausgase binden könnten (Lehmann/ Josephs: Biochar for environmental management 2009). Gerade für die Düngermittelindustrie und deren Abhängigkeit von Rohstoffen wie Phosphor, das bereits laut Prognosen im Jahre 2020 seinen Peak erreichen wird, ist die Biokohle eine interessante Alternative.

Zwischenprodukt Energie bei der Herstellung
Moderne „Kohlemeiler“ können als Zwischenprodukt bei der Verschwelung, Pyrolyse genannt, mit einem Teil des Kohlenstoffes Energie, mit dem anderen Teil Biokohle liefern. Die Effizienz der derzeit im Betrieb befindlichen Verkohlungsanlagen ist stark von der eingesetzten Biomasse abhängig. Damit beschäftigte Forscher- und UnternehmerInnen sind aber überzeugt Herstellungsprozesse und Verfahren verbessern zu können und wünschen sich, die Biokohle auch in den internationalen Kohlenstoffhandel integrieren zu können. Bis zu 12 % der durch Menschen verursachten Treibhausgase könnten durch Biokohle gebunden werden (Spiegel 26/2010).

Bio-Technologien und ökologische Nachhaltigkeit
Ein Schweizer Biokohle-Forschungsnetzwerk arbeitet an einer Zertifizierung von Biokohle, damit Nachhaltigkeitskriterien eingehalten und ein ökologischer Einsatz in Landwirtschaft und Energieerzeugung gewährleistet werden kann. In Hinblick auf die Risiken der Biotreibstoff-Erzeugung müssen neue Bio-Technologien auf ihre Folgenabschätzung genau geprüft und analysiert werden. Die erste industrielle Anlage in Europa wurde 2010 in Lausanne in der Schweiz eröffnet. In Österreich wird bereits in der Ökoregion Kaindorf in der Steiermark mit Biokohle experimentiert und gearbeitet und ein Forschungsprojekt im AIT durchgeführt (siehe Links).

Weitere Informationen
Video über Produktion von Biokohle (in Englisch)
http://biokohle.org/

Website der Ökoregion Kaindorf
www.oekoregion-kaindorf.at/

Artikel über Bio-Kohle Zertifizierung
www.ithaka-journal.net/biokohle-oder-nichtbio

Europas größe Biokohle-Produktion geht in Betrieb
www.ithaka-journal.net/europas-erst-biokohle-produktion-geht-in-betrieb

Artikel über Biokohle
www.co2-handel.de

Forschung in Österreich: AIT Austrian Institute of Technology
www.ait.ac.at/research-services