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"die umweltberatung"

Das war die Sommerakademie 2009

Wertewandel als ökologische Herausforderung für die Zukunft war das Thema bei der heurigen Sommerakademie von "die umweltberatung" im Kloster Pernegg.

In Pernegg beschäftigten sich vom 8. bis 10. Juli 60 TeilnehmerInnen aus Umwelt-, Jugend- und Beratungsorganisationen mit der Frage, wie sich der Wandel der Gesellschaft auf die gängigen Werte auswirkt und ob es möglich ist, durch Beratungs- und Bildungsarbeit einen Wertewandel zu beeinflussen und so einen nachhaltigen Lebensstil herbeizuführen?

Im wunderschönen Ambiente des Klosters Pernegg war nicht nur Zeit und Raum für wissenschaftliche Vorträge und philosophische Diskussionen, auch die Naturerfahrung und das kreative Erarbeiten von Themen im Theaterworkshop waren ein wesentlicher Bestandteil, um das Thema „Veränderung“ zu begreifen. Eine Führung durch das Kloster, Wanderungen auf dem „Weg zur Stille“ und eine Weinverkostung bildeten das stimmungsvolle Rahmenprogramm.

Plenum bei Sommerakademie

(c)g.pomper "die umweltberatung"

Zum Auftakt berichtete Dr. Thomas Gensicke vom Infratest Sozialforschungsinstitut München über die Ergebnisse der Shell-Jugendstudie 2002-2006. Der 68-er Generation und der „hedonistischen“ Jugendgeneration in den 90-er Jahren folgt jetzt die so genannte „Pragmatische Generation“. Gesellschaftskritische und ökologische Themen sind in der breiten Aufmerksamkeit der heutigen Jugendlichen lebenspraktischen Themen wie Beruf, Karriere und Sicherheit gewichen. Jugendliche, die um Ausbildungsplätze bangen müssen und von einem Jobpraktikum zum nächsten wechseln, machen sich laut statistischer Auswertung weniger Sorgen um grundsätzliche Probleme wie soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz. Die gute Botschaft dazu: Die Jugendlichen diskutieren weniger, sie sind aber durchaus bereit, zu handeln. Genau diese konkreten Handlungsanreize sollten Umweltorganisationen und Bildungsbeauftragte liefern, wenn sie etwas bewirken wollen.

„Das Leben beginnt an dem Tag, an dem man einen Garten anlegt“ – mit diesem chinesischen Sprichwort leitete Dr. Josef Heringer von der Bayrischen Akademie für Naturschutz seinen Vortrag „Die Welt als Garten“ ein. Nicht sich die Erde untertan machen und mit viel Technik ausbeuten bzw. die Schäden der Ausbeutung bekämpfen, lautet sein Credo, sondern sie wie einen Garten hegen und pflegen, dann ist die Erde lebenswert für alle. Nur 10% der Festlandsfläche sind überhaupt fruchtbares Land, dessen Wert sollten wir uns bewusst sein und hoch schätzen. „Glück“ leitet sich etymologisch von „Geluck“, dem „Gelungenen“ ab – und es ist genau dieses Schaffen, Pflegen und Ernten, das Menschen glücklich machen kann und sinnstiftend wirkt.

Univ. Doz. Dr. Peter Weish von der Universität Wien stieß in eine ähnliche Kerbe und wies auf die weitreichenden (und stetig steigenden) Einflüsse des menschlichen Wirtschaftsweise hin, macht der Mensch doch immerhin 40 Millionen Tonnen an Biomasse, gemeinsam mit seinen Haus- und Nutztieren stolze 140-160 Millionen Tonnen aus, während die wildlebenden Landwirbeltiere weniger als 5 Millionen Tonnen liefern. Diese Relationen sind auch verantwortlich für massive Eingriffe in die weltweiten Ökosysteme und Stoffkreisläufe. Weish forderte nicht nur eine Energiewende, sondern auch eine Agrarwende hin zu einer ökologischen Landwirtschaft, die das Artensterben einbremst und mit den Ressourcen wertschätzend umgeht. Er betonte außerdem, dass keine Intensivlandwirtschaft der Welt so produktiv sei wie ein liebevoll gepflegter Garten, der pro m2 viel mehr Biomasse liefert – und nebenbei Sinn und Ziel gibt, Genuss und Freude am Tun vermittelt.

Nach diesen Fachvorträgen und wissenschaftlichen Inputs kam schließlich auch das Ausprobieren, Tun und Genießen nicht zu kurz: In Workshops wie „Biophilie – die Liebe zur Natur und ihren Wert für uns erleben“ von Dr. Mark Nadjafi, "die umweltberatung" ging es um Natur- und Sinneserfahrung im Wald, um das Schärfen der Sinnesorgane zwischen blühenden Wiesen und duftenden Lindenbäumen.

Mit der aufrüttelnden Frage „Wieviel ist ein Menschenleben wert?“ beschäftigten sich die TeilnehmerInnen des Workshops von DI Dan Jakubowicz, SOL. Wie nahe geht uns der Tod eines nahestehenden Menschen, wie schnell wird die Nachricht über eine weit entfernt liegende Katastrophe mit tausenden Toten verdrängt?

Paul Lahninger, Lehrtrainer und Psychotherapeut, stellte die Frage nach den eigenen Werten, die jede/n von uns prägen und beeinflussen, und zeigte auf, dass unterschiedliche Werte nicht nur im menschlichen Miteinander Konflikte hervorrufen können, sondern auch Ursache für innere Konflikte sein können. Diese aufzuzeigen und sich bewusst zu werden ist oft ein bedeutender Schritt in der Selbsterkenntnis und Weiterentwicklung, und dann können Werte auch als wichtige Kraftquelle in uns wirken.

Maria Thanhoffer, Trainerin und Coach wies in ihrem interaktiven Vortrag auf die Zusammenhänge zwischen Körpersprache und Gedanken hin und erinnerte daran, dass der Großteil der Kommunikation nicht über Sprache, sondern über unbewusst vermittelte Körperhaltung, Mimik, Gesten und vor allem die Haltung des Brustkorbs als „Hauptkommunikator“ mitgeteilt wird. Mit einfachen, aber drastischen Übungen erfuhren und spürten die TeilnehmerInnen dieses Wissen auch gleich am eigenen Leib.

Den humoristischen Abschluss des Seminars bildete eine Aufführung der Theatergruppe unter Leitung der Theaterpädagogin Regina Schreiber. Sie bewies eindrucksvoll, wie stark Stimmung, Intonation und Interpretation das gesprochene Wort beeinflussen und verändern können.

Mit fachlichen Inputs und vielen geistigen Anregungen zum Weiterdenken und Arbeiten verließen die TeilnehmerInnen die Sommerakademie 2009. Nach einem Besuch der Landesausstellung 09 in Horn „Österreich. Tschechien. Geteilt.Getrennt.Vereint“ ging es dann auch mit viel historischem Wissen und dem Wandel der Werte in den letzten 100 Jahren ins Wochenende.

Fotogalerie: Sommerakademie09

Download der Vorträge

Dr. Thomas Gensicke -  Infratest Sozialforschungsinstitut München [PDF 169 KB]
Univ.Doz.Dr. Peter Weish - Universität Wien [PDF 4247 KB]


Handouts:

Dr. Thomas Gensicke - Infratest Sozialforschungsinstitut München [PDF 22KB]
Dr. Josef Heringer - Bayrischen Akademie für Naturschutz [PDF 41 KB]
Univ. Doz. Dr. Peter Weish - Universität Wien [PDF 17 KB]
Dr. Mark Nadjafi - "die umweltberatung" [PDF 399 KB]
DI Dan Jakubowicz - SOL [PDF 12 KB]
Paul Lahninger, Lehrtrainer und Psychotherapeut [PDF 59 KB]
Maria Thanhoffer, Trainerin und Coach [PDF 14 KB]
Theaterpädagogin Regina Schreiber [PDF 18 KB]

 

zuletzt geändert am: 28.07.2009   drucken   zurück