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Kunststoffrecycling – die Lösung für das Plastikproblem?

Plastik hat die Welt im Sturm erobert. Innerhalb nur weniger Jahrzehnte wurde es zu einem der meistgebrauchten Materialien und außerdem zu einem Umweltproblem. Recycling allein ist nicht die Lösung, Vermeidung ist angesagt!

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Plastik ist äußerst praktisch und gleichzeitig gefährlich, wenn es dort hinkommt, wo es nicht hingehört. Es landet im Fischmagen genauso wie an den entferntesten Plätzen dieser Erde. Und auf der Wiese nebenan. Zum Teil als weithin sichtbarer Plastikmüll, zum Teil als kaum sichtbares, aber umso gefährlicheres Mikroplastik. Oft verwenden wir Plastik nur wenige Minuten, ehe wir es wegwerfen. Dadurch werden Energie und Rohöl für die Herstellung des Plastiks leichtfertig verschwendet.

Immer mehr Menschen wird bewusst: Unser enormer Plastikverbrauch ist ein Problem. Auch viele Firmen erkennen die Problematik, andere sehen zumindest, dass Plastik zum Imageproblem für sie wird. Die große Lösung sehen viele im besseren Sammeln und Recyceln der Plastikabfälle. Klingt auf den ersten Blick nicht schlecht, aber reicht das als Lösung wirklich aus?

Vermeidung vor Recycling

Wenn Kunststoffabfälle einmal da sind, ist das Recycling die beste Verwertungsoption. Allerdings ist Recycling bei Kunststoffen oft nur eingeschränkt möglich und recht ineffizient. Wesentlich effizienter und ökologischer ist es, Kunststoffabfälle zu vermeiden, zum Beispiel durch:

  • Vermeidung unnötiger Verpackungen

  • Einsatz von Mehrwegverpackungen

Wenn wir unseren Plastikverpackungsverbrauch in Österreich auf das Niveau von 2005 zurückdrehen, sparen wir damit mehr Primärkunststoff ein, als mit der geplanten und nur unter höchsten Anstrengungen erreichbare Anhebung der Recyclingquoten für Kunststoffverpackungen von 25% auf 55%. Das spricht nicht gegen höhere Recyclingquoten. Aber es spricht dafür, zuallererst die Abfallmengen zu reduzieren. Recyclingquoten sind nur ein Teil der Lösung des Plastikproblems. In erster Linie müssen wir unseren Verbrauch sinnvoll reduzieren. In zweiter Linie muss es darum gehen, die Materialien, die wir verbrauchen, möglichst effizient zu recyceln.

Kunststoffabfälle in Österreich

Insgesamt fallen in Österreich rund 1 Million Tonnen an Kunststoffabfällen pro Jahr an. Ein knappes Drittel davon sind Kunststoffverpackungen. Nur 26 % der gesamten Kunststoffabfälle kommen ins Recycling. Da auch im Recyclingprozess noch Material ausgeschieden wird, werden aktuell nur ca. 20% der Kunststoffabfälle am Ende zu Rezyklat, das wieder in neuen Produkten eingesetzt werden kann.. Meistens handelt es sich dabei um ein „Downcycling“, bei dem das Material an Qualität verliert.

Plastikrecycling: so gut wie nichts bleibt auf Dauer übrig!

Unser Kunststoffverbrauch ist weit von einem echten Kreislauf entfernt. Von 1 Tonne Primärkunststoff bleibt bei Kunststoffverpackungen nach 10 Nutzungen und Recyclingdurchläufen nur noch 1 Gramm des Ausgangsmaterials übrig.

Von den Kunststoffverpackungsabfällen in Österreich werden 25% recycelt. Bis 2030 müssen wir nach EU-Vorgaben bei Kunststoffverpackungen eine Recyclingrate von 55% erreichen. Fachleute sind sich einig, dass dieses Ziel nur mit großen Anstrengungen und grundlegenden Änderungen im Sammelsystem erreicht werden kann. Und selbst wenn dieses hohe Ziel erreicht wird, bleiben dann von 1 Tonne Primärkunststoff nach 10 Mal nutzen und recyceln auch nur magere 2,5 Kilogramm des Ausgangsmaterials übrig. Das zeigt klar: Selbst eine deutliche Erhöhung der Recyclingquote hilft nur bedingt, um den Verbrauch an Kunststoff zu reduzieren.

Schwierigkeiten beim Plastikrecycling sind unter anderem die große Materialvielfalt, Material-Qualitätsverluste und die Anfälligkeit des Recyclingsystems für Schwankungen des Ölpreises. Auch die Entstehung von Mikroplastik ist dabei ein Thema. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel „Schwierigkeiten beim Plastik-Recycling“

Weniger verbrauchen, länger nutzen!

Was also tun? Der wirksamste Weg ist es,  die Menge an Plastik, die wir jährlich verbrauchen, schon in der Produktion und beim Einkauf zu reduzieren. Aber nicht, indem wir das Plastik einfach durch ein anderes Material ersetzen und mit diesem dann genauso verschwenderisch umgehen. Sinnvoll reduzieren können wir den Plastikverbrauch zum Beispiel indem wir die Produkte, in denen wir Kunststoffe verwenden, länger nutzen. Kunststoffbestandteile eines Produkts durch andere Materialien zu ersetzen, macht vor allem dann Sinn, wenn dadurch auch die Lebensdauer des Produkts verlängert wird.

Kunststoffprodukte, die man eigentlich gar nicht wirklich braucht, sollte man am Besten auch einfach nicht kaufen. Im Verpackungsbereich können wir den Plastikverbrauch vor allem dadurch sinnvoll reduzieren, dass wir unnötige Verpackungen weglassen. Und bei unnötigen Produkten das Produkt gleich mit dazu. Eine weitere gute Möglichkeit zur Reduzierung von Plastikverpackungen ist es, Einweg-Plastik-Verpackungen durch Mehrwegverpackungen (aus Plastik oder anderen Materialien) zu ersetzen.

Weitere Informationen

Hintergrundinformationen

Plastic Planet

Seit Beginn der Massenproduktion von Kunststoffen Anfang der 1950er Jahre wurden weltweit rund 8 Milliarden Tonnen Kunststoff hergestellt. Über 75% davon wurden bereits zu Müll. Von diesen Plastikabfällen wurden gerade einmal 9% recycelt. Aktuell liegt die weltweite Recyclingrate von Verpackungen aus Kunststoff bei 14%. Weltweit sind über 2 200 Meeres-Arten vom Plastikmüll beeinträchtigt. Auch in Österreich ist Plastikmüll der am häufigsten gefundene Müll in der Natur.

Export von Plastikmüll

Der Handel mit Plastikabfällen ist ein internationales und lukratives Geschäft. Vor allem Amerika und Europa exportieren große Mengen an Plastikmüll, insbesondere nach Asien. Mit dem Plastikmüll exportieren wir auch die damit verbundenen schädlichen Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen. Die Abfallbehandlung ist in diesen Ländern weit entfernt von europäischen Standards.

Datenquellen:

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