Mikroplastik auf Sport- & Spielstätten: Alternativen zu Kunstrasen & Co.

Auf Sport- & Spielstätten finden Kunststoffe in großen Mengen Anwendung. Zum Teil werden Sie bereits als Granulat in Mikroform aufgebracht, zum Teil entsteht Mikroplastik durch Abrieb und Zersetzung.

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Gummigranulat wird als Füllmaterial bei Kunstrasenplätzen eingesetzt, um diese langlebiger und witterungsbeständig zu machen und um den Spieler*innen bessere Stoßdämpfung und Bodenhaftung zu bieten. Die Mikroplastikemissionen von Kunstrasenplätzen gehen vor allem auf das Füllgranulat zurück. Dieses gelangt laufend durch Verwehung, Auswaschung in die Natur oder wird über Schuhe und Gewand der Sportler*innen vom Platz entfernt. Das Granulat wird laufend wieder neu nachgefüllt, um die Rasenqualität zu erhalten. Dabei geht es um zumindest mehrere hundert Kilo pro Platz und Jahr. In vielen Fällen sogar mehrere Tonnen.

Auf Spielplätzen wird häufig Gummi-Mulch unter diversen Spielgeräten wie z.B. Schaukeln und Rutschen ausgebracht. Der Mulch wird oft aus Altreifen hergestellt. Er hat die Funktion, die Verletzungsgefahr bei Stürzen zu reduzieren.

Plastikfreie und plastikreduzierte Alternativen

Naturrasen vs. Kunstrasen

Naturrasen ist sicherlich die umweltfreundlichste Alternative. Nicht nur weil er kein Plastik enthält, sondern weil er auch eine zusätzliche echte Grünfläche z.B. im urbanen Raum darstellt, Lebensraum für Tiere und Pflanzen ist und auch eine kühlende Wirkung auf die Umgebung hat. Im Gegensatz zu Kunstrasen muss er zumindest in Trockenphasen bewässert werden, was allerdings eher in Gegenden mit Wasserknappheit relevant ist. Werden Naturrasenflächen stark gedüngt, so verschlechtert das natürlich die Ökobilanz. Bei hohen Temperaturen können sich Kunstrasenflächen stark aufheizen, während Naturrasen kühlend wirkt. Der CO2-Fußabdruck dürfte beim Naturrasen in Summe geringer ausfallen als beim Kunstrasen, bei umweltfreundlicher Pflege kann er eine Kohlenstoffsenke sein.

Je intensiver ein Naturrasen genutzt wird, desto mehr Pflege bedarf er. Während Kunstrasen bei fast allen Witterungen bespielbar ist, kann Naturrasen bei Regen, Frost und Schnee nur eingeschränkt genutzt werden. Naturrasen kann etwa 800-900 Stunden im Jahr bespielt werden. Bei Plätzen, wo diese Nutzungsintensität ausreicht, sollte er ganz klar die erste Wahl sein. Neben den ökologischen und wirtschaftlichen Überlegungen ist dabei auch zu bedenken: Ein gut gepflegter Naturrasen soll auch ein geringeres Verletzungsrisiko bieten. Bei sehr intensiv genutzten Flächen wird oft eben um diese hohe Nutzungsintensität zu ermöglichen Kunstrasen gewählt, und man nimmt dafür auch die deutlich höheren Anschaffungskosten in Kauf. Einige Hersteller bieten auch Hybridsysteme an, wo Kunstrasen mit Naturrasen vermischt wird. Mikroplastikteilchen im Rasenschnitt könnten hier bei falscher Behandlung ein Thema sein, insbesondere wenn bei dem System auch synthetisches Einstreugranulat verwendet wird.

Kunstrasen mit alternativen Materialien

Vor allem für das Einstreugranulat gibt es bereits vielfältige alternative Materialien, die allerdings lange Zeit wohl aus Kostengründen noch eher selten eingesetzt wurden. Auch wenn die Empfehlung der Europäischen Chemikalienagentur ECHA, Plastik-Einstreugranulat zu verbieten, noch nicht von der EU-Kommission umgesetzt wurde, so hat sie bereits zu einem verstärkten Interesse an Naturmaterialien geführt. Das Einstreugranulat kann beispielsweise zerriebenen Naturmaterialien wie Kork (am verbreitetsten), Olivenkernen, Nussschalen, Maiskolben, Holz, Rinden oder Mischungen verschiedener Naturmaterialien gefertigt werden. Einige Produktbeispiele für solche Füllungen findet man beispielsweise auf der Website von Fidra. Besonders positiv ist dabei, dass zum Teil Reststoffe aus anderen Produktionszweigen (z.B. Lebensmittelproduktion) eingesetzt werden. Auch mit Sand verfüllte Kunstrasenplätze sind eine schon lange angewendete Option. Aufgrund der geplanten Beschränkungen für Kunststoff-Einstreugranulat ist damit zu rechnen, dass sich der Markt für Einstreu aus Naturmaterialien schnell weiterentwickeln wird. FIFA-Zertifizierungen und Testergebnisse der Hersteller zeigen, dass Rasen mit alternativen Einstreugranulaten ähnliche Spielqualität wie solche mit Kunststoffgranulaten haben und in manchen Kriterien sogar besser abschneiden können. Details dazu sind in einer aktuellen Studie von Fidra zusammengefasst.Auch Einstreu aus biologisch abbaubarem Kunststoff wird angeboten. Einige Kunstrasenplätze kommen auch ganz ohne Füllmaterial aus.

Verringerung des Mikroplastikaustrags durch Barrieren

Der Austrag von Einstreugranulat kann durch mehrere Maßnahmen reduziert werden. Zum Beispiel durch die Anbringung von Netzen, durch die Faserstruktur des Rasens oder durch Schuhabstreif-Vorrichtungen. Auch Änderungen in der Pflege des Kunstrasens können den Austrag reduzieren.

Potenziell gefährliche Inhaltsstoffe

Gummigranulat und Gummi-Mulch können eine Reihe potenziell gefährlicher Substanzen enthalten und freisetzen. Dazu zählen zum Beispiel polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Metalle und Phthalate. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA stuft das gesundheitliche Risiko durch Gummi-Mulch und Gummigranulat als gering ein, schlägt aber eine weitere Senkung der gesetzlichen Konzentrationswerte für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in Gummigranulat vor. Es wird erwartet, dass sich die Europäische Kommission dieser Empfehlung anschließt.

Neben der Mikroplastikproblematik dürfte auch das Auswaschen von Chemikalien aus dem Plastik in den Boden ein umweltrelevantes Problem darstellen.

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