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Schweinefleisch – das Problem mit den Männern

Pro Kopf verzehren wir ÖsterreicherInnen jährlich rund 40 kg Schweinefleisch, was dieses zur mit Abstand beliebtesten Fleischsorte macht. Dabei beträgt der Anteil von Bio-Schweinen nur etwa zwei Prozent an der Gesamtschweineproduktion. Gängige Praxis ist es, die männlichen Ferkel zu kastrieren um dem Ebergeruch vorzubeugen. Ein Problem, das auch in der ökologischen Landwirtschaft nicht endgültig gelöst ist.

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Wenn Eber Geschlechtsreife erlangen wird im Hoden das Sexualhormon Androstenon gebildet, das in Wechselwirkung mit Skatol, einem Abbauprodukt von Dickdarmbakterien, zu der unangenehmen Geruchsnote führen kann. Um diesem Qualitätsproblem vorzubeugen ist es gängige Praxis, dass männliche Ferkel innerhalb der ersten Lebenswoche kastriert werden.

Bio versus konventionell

Bei der klassischen Kastration werden durch einen operativen Eingriff die Hoden entfernt. Laut österreichischem Tierschutzgesetz dürfen Ferkel bis zu einem Alter von 7 Tagen ohne Einsatz von Schmerzmittel bzw. Betäubungsmittel von sachkundigen Personen kastriert werden. Sind die Ferkel älter als 7 Tage so müssen eine wirksame Betäubung sowie schmerzstillende Mittel zum Einsatz kommen und der Eingriff darf nur mehr von einem Tierarzt bzw. einem gewerblichen Viehschneider durchgeführt werden. In der biologischen Landwirtschaft ist jedoch die Verabreichung von einem Schmerzmittel vor der Kastration auch innerhalb der ersten 7 Lebenstage zwingend vorgeschrieben.

Alternativen zur klassischen Kastration

Der typische Ebergeruch tritt nur bei etwa 2–10 % der Eber tatsächlich auf. Geruchsbelastetes Fleisch ist zwar nicht gesundheitsschädlich, allerdings als genussuntauglich zu klassifizieren. Eine Herangehensweise ist die Tiere vor dem Einsetzen der Geschlechtsreife zu schlachten. Damit verbunden ist jedoch das Problem, dass die Tiere innerhalb kürzester Zeit viel Fleisch ansetzen müssen um einen ausreichend schweren Schlachtkörper zu erreichen. Die Tiere werden dabei mit einer äußerst eiweißreichen Ration gefüttert, was für den Stoffwechsel des Tieres sehr belastend ist. Zudem bedingt das geringe Schlachtgewicht, dass eine größere Anzahl von Tieren geschlachtet werden muss um die gleiche Fleischmenge erzielen zu können. Ebenfalls problematisch ist das höhere Aggressionspotenzial von reinen Ebermastgruppen, wodurch ein Tierwohlproblem entstehen kann. Eine 100 %ige Vermeidung des Ebergeruchs ist damit nicht möglich, da Geruch- und  Geschmacksabweichung auch in nicht voll geschlechtsreifen Tieren festgestellt wurde.

Immunkastration - die Pille für den Eber

Die immunologische Kastration ist eine jüngere Methode zur Vermeidung des Ebergeruchs. Dabei wird dem Tier ein synthetisch hergestelltes Hormon-Analogon gespritzt, das die Ausreifung der Hoden und somit die Bildung des Sexualhormons verhindert. Notwendig sind mindestens 2 Impfungen im Abstand von mindestens 4 Wochen, wobei die letzte Impfung 4–6 Wochen vor der Schlachtung stattfinden muss. Auf Grund der aktuellen Gesetzeslage stellt diese Option keine Alternative für die biologische Landwirtschaft dar. Vermarkter sehen in dieser Methode die Gefahr, dass das Fleisch dieser Tiere von den KonsumentInnen abgelehnt wird und Assoziationen zu „Hormonfleisch“ hergestellt werden könnten.

Ist die Zukunft ist weiblich?

Es gibt Versuche Tiere zu züchten, die ein verringertes genetisches Potenzial zur Ausbildung des Ebergeruchs aufweisen. Wesentliche Fortschritte wurden hier allerdings noch nicht erzielt. Damit keine männlichen Ferkel mehr kastriert werden müssen wäre es günstig, wenn ausschließlich weibliche Ferkel geboren würden. Das ist durch sogenanntes „gesextes“ Sperma möglich. Schweine werden heutzutage fast ausschließlich künstlich besamt, was eine Trennung von weiblichen und männlichen Spermien prinzipiell möglich macht. Allerdings ist die technische Umsetzung noch weit von einer Praxistauglichkeit entfernt. Bei Rindern ist gesextes Sperma bereits am Markt erhältlich. Es ist also vermutlich eine Frage der Zeit, bis bei der Schweinefleischproduktion nur mehr weibliche Tiere in den Mastställen stehen und die Kastration der Vergangenheit angehört.
 

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