www.umweltberatung.at

Offener Schrank und Tauschbox

Prall gefüllt mit Dingen zur freien Entnahme, ist ein offener Schrank ein kleines Paradies zum Stöbern. Wenn Sie in ihrer Umgebung einen offenen Schrank installieren möchten, finden Sie hier viele Informationen dafür. Wir wünschen ein reges Geben und Nehmen!

Facebook
offener Bücherschrank

Offene Schränke gibt es in unterschiedlichen Formen, ob gefüllt mit Büchern, CD’s, Kleidung oder sogar Lebensmitteln. Je nachdem variieren die Bezeichnungen: Offener Bücherschrank, Foodsharing-Regal, offener Kleiderschrank etc. Sie alle haben das gleiche Ziel: Gegenstände zu tauschen und zu teilen, damit sie anderen Menschen einen weiteren Nutzen bzw. Freude bereiten. Offene Schränke haben daher eine soziale Komponente, sie tragen aber auch dazu bei, Abfall zu vermeiden und Ressourcen zu schonen. Die Funktionsweise von offenen Schränken wird anhand der wahrscheinlich bekanntesten Form, dem Bücherschrank, erläutert. Auch Möglichkeiten für andere offene Schränke, zum Beispiel für Lebensmittel oder Textilien, finden Sie hier.

Offener Bücherschrank

Das Konzept hinter dem offenen Bücherschrank ist denkbar einfach: Personen können sich aus dem Schrank Bücher, Zeitschriften oder Magazine entnehmen und/oder welche in den Schrank stellen. Auf Basis des Aufstellungsortes kann man verschiedene Formen unterscheiden, die unterschiedliche Rahmenbedingungen in Bezug auf Planung und Betreuung haben:

  • offene Schränke im öffentlichen Raum
  • solche auf privaten, aber öffentlich zugänglichen Grundstücken
  • solche, die in Innenräumen von bestehenden Einrichtungen wie z.B. Volkshochschulen oder Cafés untergebracht sind
  • Projekte zu offenen Schränken mit Schulkindern

Der offene Bücherschrank im öffentlichen Raum ist gratis, rund um die Uhr verfügbar und das an jedem Tag im Jahr. Befinden sich offene Bücherschränke in den Innenräumen von Einrichtungen, ist deren Nutzung an die jeweiligen Öffnungszeiten gebunden.

Alternativen zu offenen Bücherschränken: Büchertaschen und Bookcrossing

Büchertaschen:

Eine kostengünstige Alternative zu offenen Bücherschränken stellen Büchertaschen dar. Sie können temporär an Zäunen mit viel Passant*innen-Verkehr, idealer Weise in der Nähe von Stationen öffentlicher Verkehrsmittel angebracht werden. Ein solches Projekt wurde von dem Wiener StadtteilbüroGebietsbetreuungen Stadterneuerung „“ durchgeführt, weitere Informationen zu Büchertaschen finden Sie unter: Gebietsbetreuungen Stadterneuerung 

Bookcrossing:

Bei Bookcrossing handelt es sich um eine internationale Plattform, bei der Bücher registriert werden können und anschließend weitergegeben werden. Beim Bookcrossing können auch sogenannte „Bookcrossing Zones (OBCZ)“ gegründet werden, die einen Ort darstellen, bei dem Bookcrossing stattfindet – ideal hierfür sind ebenfalls offene Bücherschränke. Manchmal findet man OBCZs auch in der örtlichen Bibliothek. Weitere Infos zum Bookcrossing und Möglichkeiten zum Vernetzen finden Sie unter: Bookcrossing

Offene Schränke für Lebensmittel

Bei Foodsharing-Regalen und -Kühlschränken, werden Lebensmittel öffentlich zugänglich gemacht. Dabei muss beachtet werden, dass die Lebensmittel noch genießbar sind. Es ist erlaubt Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum zu teilen, jedoch müssen diese noch zum Verzehr geeignet sein. In Wien ist die Organisation Foodsharing aktiv und betreut über 30 Standorte („Fairteiler“), die häufig in öffentlichen Einrichtungen (z.B. Wiener Volkshochschulen, Wiener Hilfswerk) untergebracht sind. Auf ihrer Website findet man viele Infos und Angebote zum Mitmachen: Foodsharing

Informationen zu Foodsharing Schränken bzw. „Grätzel-Kühlschränken“ in Wien finden Sie auf der Website der Stadt Wien.

Weitere offene Schränke und Tauschboxen

Grundsätzlich ist die Idee des offenen Schrankes auch auf andere Gegenstände wie z.B. Geschirr, Sportgeräte, etc. übertragbar. Eine solche Tauschbox befindet sich z.B. in Wien Neubau, eine weitere Initiative in Wien ist der Kostnixladen. Je weiter die Bandbreite der Gegenstände, welche getauscht werden können, desto wichtiger wird die regelmäßige Instandhaltung. So kann vermieden werden, dass die Tauschboxen von Passant*innen als Müll-Sammelstellen wahrgenommen und benützt werden. Sind die Tauschgegenstände klar eingegrenzt, z.B. auf Bücher, ist die Gefahr des Littering geringer.

Ein weiteres Projekt, zu dem es in Wien bereits Erfahrungen gibt, ist der offene Kleiderschrank. Konkret handelt es sich bei diesem Projekt um ein Geschäft für Obdachlose. Wer Kleidungsstücke spenden will, kann in diesem Fall per E-Mail eine Anfrage versenden, die Zuständigen für den Schrank holen diese dann ab. Weitere Infos: Offener Kleiderschrank in Wien

offene-buecherei

Planung

Je nach Aufstellungsort sind unterschiedliche Faktoren zu berücksichtigen:

Öffentlicher Aufstellungsort

Beim Aufstellen eines Schrankes im öffentlichen Raum muss eine Zustimmung der zuständigen Behörden erteilt werden. Wenn der Schrank auf einem Gehsteig steht, bedarf es in Wien einer Genehmigung durch die MA 46 (Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten), steht er in einem Park muss die MA 42 (Wiener Stadtgärten) zustimmen. Bei Befestigung am Fußboden ist möglicherweise ein Antrag bei der MA 28 zu stellen. Auch die Bezirksvertretung ist einzubinden. Zu berücksichtigen sind bei der Planung eines offenen Schrankes Faktoren wie z.B. die Einhaltung von Auflagen für denkmalgeschützte Gebäude, oder dass Straßenreinigung und Schneeräumung nicht beeinträchtigt werden.

Privater Aufstellungsort

Möglicherweise ist der Grund, auf dem ein offener Schrank errichtet werden könnte, nicht in öffentlichem Eigentum, sondern gehört einer Wohnbaugenossenschaft, der Kirche oder anderen Einrichtungen. In diesem Fall müssen die Eigentümer*innen die Erlaubnis für das Aufstellen eines offenen Schrankes geben. Beim Aufstellen im Innenraum einer öffentlich zugänglichen Einrichtung (wie z.B. Wiener Volkshochschulen, etc.) ist ebenfalls die Zustimmung der Einrichtung einzuholen. Hier ist auch darauf zu achten, dass der Schrank gut zugänglich ist und nicht erst gesucht werden muss.

Idealerweise steht ein offener Bücherschrank in der Nähe von Sitzmöglichkeiten oder hat sogar eine Sitzmöglichkeit integriert. Das macht das Schmökern angenehmer. Das Fehlen einer Sitzmöglichkeit ist jedoch kein Grund, den Schrank nicht zu errichten.

Benötigte Materialien

Offene Schränke selbst kann es in unterschiedlichen Formen geben, diese hängen auch vom Aufstellungsort ab. Bei einem Aufstellungsort in einem Gebäude reicht häufig ein einfaches Regal. Dieses sollte nur stabil und robust sein, damit es lange genutzt werden kann. Bei Schränken unter freiem Himmel sind Witterungsbeständigkeit und der Regenschutz für den Inhalt zentral, ebenso die Robustheit gegenüber Vandalismus. Neben der Möglichkeit, einen Schrank komplett neu zu bauen bzw. bauen zu lassen, können auch alte Telefonzellen, ausgediente Elektro-Verteilerkästen oder sogar alte Kühlschränke umgebaut werden.

Zusätzlich ist eine gute Beschriftung wichtig. Innen sollten die Regeln und die Anleitung zur Benützung angebracht werden. Beispiele dafür finden Sie unter: Planungshilfe offener Bücherschrank

Trägerschaft

Ein offener Schrank im öffentlichen Raum braucht formale Träger*innen, die Genehmigungen einholen, Ansprechpartner*innen für die Behörden sind und falls nötig die Miete bezahlen: Auch das Abschließen einer Versicherung ist empfehlenswert. Es kann hilfreich sein, die Initiative unter dem Dach einer bestehenden Organisation (z.B. Verein) zu starten. Daneben braucht es Personen, die den Schrank betreuen - damit Bücher oder andere Gegenstände sortiert und gegebenenfalls aussortiert werden. Diese Personen müssen nicht mit der formalen Trägerschaft ident sein. In der Regel erfolgt diese Betreuung ehrenamtlich durch Personen aus der Wohnumgebung.

Kosten & Finanzierung

Die Kosten eines offenen Schrankes im öffentlichen Raum fallen in erster Linie bei der Errichtung an. Beim Umbau von gebrauchten Materialien bzw. Konstruktionen können diese Kosten entsprechend reduziert werden. Zu bedenken ist, dass Sparen bei der Konstruktion am Anfang zu höheren Reparaturkosten im Betrieb führen kann.

  • neu gebaut, stabil und witterungsfest: zwischen € 5.000.- und € 10.000.-
  • jährliche Miete ca. € 50.- bis € 100.- 
  • Haftpflichtversicherung ca. € 50.- bis € 100.-

(Angaben von Frank Gassner, Offener Bücherschrank).

Für die Finanzierung offener Schränke gibt es in Wien keinen definierten Budgettopf. Man kann versuchen bei öffentlichen Stellen (z.B. Bezirke) um Förderung anzusuchen, sich aber auch um Sponsoren (z.B. Geschäfte in der Umgebung) bemühen. Bei Schränken, die in Innenräumen von öffentlichen Einrichtungen untergebracht sind, können auch Spendenboxen integriert werden. Im öffentlichen Raum ist davon aufgrund von Vandalismusgefahr abzuraten.

Nach oben

Durchführung

Wie funktioniert der Schrank?

Tauschgegenstände können jederzeit gebracht oder geholt werden (in öffentlichen Einrichtungen zu den Öffnungszeiten. Zu beachten ist, dass keine kaputten Gegenstände in den Schrank dürfen und dass nur so viele Gegenstände gebracht werden, wie in den Schrank hineinpassen. Dass keine Gegenstände neben den Schrank oder oben auf den Schrank gestellt und die Schränke nicht kistenweise geplündert werden sollen, geht aus den im Schrank angebrachten Benutzungsregeln klar hervor.

Wartung & Pflege

Bücherschränke und Tauschboxen müssen in regelmäßigen Abständen sortiert und aufgeräumt werden. Das ist ein Aufwand, der laufend anfällt und nicht unterschätzt werden sollte. Im Idealfall kümmern sich Ehrenamtliche – nach Möglichkeit auch selbst Nutzer*innen – darum, dass der Offene Schrank ansprechend aussieht. Darüber hinaus ist ab und zu eine grundlegende Reinigung notwendig und im Bedarfsfall kann eine Reparatur anfallen. Bei offenen Kühlschränken ist der Reinigungsbedarf nicht zu unterschätzen, damit das Angebot appetitlich bleibt.

Missbrauch? – Was tun?

Um das Plündern im Fall von Bücherschränken zu verhindern, kann es hilfreich sein, die Bücher innen oder an den Seiten mit wasserfestem Stift und Stempel zu markieren - damit werden sie unverkäuflich oder verlieren zumindest an Wert. Weiters sollte ein Hinweisschild angebracht werden mit der Maximalanzahl von Büchern, die entnommen werden dürfen. Im Schrank sollten auch Kontaktinformationen zu den Personen angebracht werden, welche sich um den Schrank kümmern.

Ein Vorteil von offenen Schränken in den Innenräumen bestehender Einrichtungen ist, dass Missbrauch und Vandalismus aufgrund der vorhandenen sozialen Kontrolle sehr unwahrscheinlich sind.

Erfahrungsaustausch

Die wertvollsten Informationen für die Planung bekommt man von Initiativen, die ein ähnliches Projekt bereits umgesetzt haben. Die meisten Initiativen unterstützen gerne neue Projekte mit ihrer Erfahrung! Beispiele für bestehende Projekte sind im Kapitel Leitfäden, Initiativen und Netzwerke aufgelistet.

Nach oben

Bewerbung und Darstellung der Erfolge

Werbung

Für die Bewerbung von offenen Bücherregalen eigenen sich verschiedenste Kanäle:

  • regionale Zeitungen
  • Social Media
  • persönliche Kommunikation durch Mundpropaganda
  • Straßenfeste
  • Informationsveranstaltungen
  • Eröffnungsfeier: Wenn das Bücherregal fertig gestellt ist, sollte es mit einer kleinen Veranstaltung eröffnet werden. Um die BürgerInnen anzulocken, bietet sich eine Lesung in Kombination mit der Eröffnung an. Außerdem können die Bürger*innen motiviert werden, selbst Teil der Eröffnung zu werden, indem sie Bücher für die Erstbestückung des Schrankes mitbringen. Der Fantasie sind bei der Gestaltung des Eröffnungsevents keine Grenzen gesetzt.

Die Erfahrung zeigt, dass, sobald der Schrank und die „Benutzungsregeln“ bekannt sind und sich ehrenamtliche Betreuer*innen gefunden haben - der Schrank also „etabliert“ ist - eine weitere Bewerbung nicht notwendig ist.

Evaluierung & Darstellung der Erfolge

Während ein offener Schrank in hohem Maße selbstorganisiert läuft, ist eine Evaluierung relativ aufwändig. Mittels Beobachtungen kann die Anzahl der Nutzer*innen erhoben werden, auch kann zu bestimmten Zeitpunkten der Inhalt des Schrankes dokumentiert und damit können Rückschlüsse auf den „Umsatz“ gezogen werden. In der Praxis werden solche Evaluierungen aber selten durchgeführt.  

Nach oben

Weitere Informationen

Links zu Leitfäden, Initiativen und Netzwerken

Die Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Fehlt Ihnen ein wichtiger Link? Dann schreiben Sie uns bitte ein Mail an service@umweltberatung.at

Nach oben

Zurück zur Übersicht

Wir beraten Sie gerne persönlich!

DIE UMWELTBERATUNG
+43 1 803 32 32
service@umweltberatung.at

Wir verwenden Cookies, um Ihnen bestmögliche Serviceleistungen auf unserer Website zu ermöglichen.
Bei weiterer Nutzung unserer Website erklären Sie sich mit der Speicherung und weiteren Verwendung der Cookies einverstanden.

ohne Cookies fortfahren
Mehr Informationen