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Plastik-Ausweg: Getränkeflaschen

Weltweit verbrauchen wir über eine Million Plastikflaschen - pro Minute! Oft wird es so dargestellt, als ließe sich diese Plastikschwemme durch Recycling aus der Welt schaffen – doch es gibt bessere Lösungen als Recycling: Getränke aus der Region in Mehrwegflaschen!


Der Tipp auf einen Blick

  • Eigene Trinkflasche immer wieder mit Leitungswasser befüllen
  • Soda aus Leitungswasser mit dem Wassersprudler selbst herstellen
  • Getränke soweit möglich in Mehrwegflaschen kaufen

War die Plastikflasche vor wenigen Jahrzehnten noch die Ausnahme im Getränkeregal, so sorgt sie inzwischen weltweit für eine wahre Plastikschwemme. Und obwohl Plastikflaschen einen großen Teil des Einweg-Plastiks an den europäischen Küsten ausmachen, wurde ihr Verkauf in der Einweg-Plastik-Richtlinie der EU nicht eingeschränkt. Allerdings müssen die Plastikflaschen in der EU künftig einen höheren Rezyklatanteil enthalten - mindestens 25% ab 2025 und 30% ab 2030. Und sie müssen konsequenter gesammelt werden - mindestens 77% Sammelquote bis 2025 und 90% bis 2029. Recycling alleine kann jedoch aus ökologischer Sicht nicht die Lösung sein.

Riesige Mengen, wenig Kreislauf

Jährlich werden rund 500 Milliarden Getränkeflaschen aus Plastik verkauft. Weniger als die Hälfte davon wird getrennt gesammelt und nur 7% des gesammelten Materials landet wieder in neuen Flaschen. Wir sind also sehr weit weg von geschlossenen Kreisläufen, auch wenn immer öfter suggeriert wird, dass man die Flaschen zu hundert Prozent recyceln könnte. In Österreich sind die Sammel- und Recyclingquoten deutlich höher als im globalen Durchschnitt, aber auch hier kann nicht von einem geschlossenen Materialkreislauf die Rede sein: 55% des gesamten PET-Materials werden verbrannt. 45% werden als Recyclingmaterial wiedereingesetzt - gut ein Drittel davon in neuen Getränkeflaschen, knapp zwei Drittel in anderen Produkten. Wirklich hohe Sammelquoten über 90% werden praktisch nur in Ländern mit einem flächendeckenden Pflichtpfand erreicht, wie zum Beispiel in Deutschland und auch in zahlreichen weiteren Ländern in Europa und weltweit. Doch selbst in diesen Ländern wird nur ein kleiner Teil des gesammelten Materials wirklich wieder zur Flasche.

Meine Flasche is ka Dreck: immer wieder befüllen statt wegwerfen

Die wohl beste Alternative zur Wegwerf-Plastikflasche ist es, eine eigene Trinkflasche dabeizuhaben. Die kann man auch unterwegs immer wieder mit Leitungswasser auffüllen. Gerade in Österreich, wo die meisten Regionen eine hervorragende Wasserqualität haben, ist es doch verwunderlich, dass wir dennoch jährlich über 700 Millionen Liter Wasser in Plastikflaschen einkaufen. Wem’s um den Sprudel geht, der kann sich die Kohlensäurebläschen mit einem Wassersprudler selbst ins Leitungswasser holen.

Die Wiederentdeckung der Mehrwegflasche

Immer mehr Menschen versuchen bewusst, Plastik zu vermeiden, was zu einem Aufschwung der Glasflasche geführt hat. Aber Achtung: Einweg-Glasflaschen haben trotz Recyclings eine sehr schlechte Ökobilanz und sollten eher vermieden werden! Wenn die Glasflaschen jedoch als Mehrwegflaschen wiederbefüllt werden, sind sie ökologisch empfehlenswert. Dabei sollten regionale Produkte aus einem Umkreis von wenigen hundert Kilometern bevorzugt werden, um die Transportwege kurz zu halten. Eine Mehrweg-Glasflasche kann rund 20-50-mal wieder befüllt werden.

Übrigens ließe sich der Plastikflaschenverbrauch sogar mit Plastikflaschen massiv reduzieren: Eine Mehrwegplastikflasche ersetzt ca. 15-20 Einwegplastikflaschen. Solche Mehrweg-PET-Flaschen sind in Österreich leider seit 2009 nicht mehr erhältlich.

Andere Einweggebinde als Alternative?

Wer auf Plastik verzichten möchte, hat es mit den Einweggebinden schwer: Auch Getränkekartons haben innen eine Plastikschicht, in der Bewertung durch Ökobilanzen schneiden sie ähnlich ab wie PET-Flaschen. Getränkedosen werden in Ökobilanzen schlechter eingestuft und auch hier gilt: außen Metall, innen Plastik. Die Innenbeschichtung besteht meistens aus Epoxidharz, ein Kunststoff, der auch wegen des Gehalts an Bisphenol-A immer wieder in der Kritik steht. Und auch die plastikfreie Einweg-Alternative aus Glas ist für Umweltbewusste nicht zu empfehlen: Die Produktion der Flaschen ist sehr energieintensiv – viel zu schade, um sie nur einmal zu verwenden.

Die „grüne“ Einweg-PET-Flasche?

Und wie schaut’s mit Plastikflaschen aus Recyclingmaterial oder aus nachwachsenden Rohstoffen aus? Ein höherer Rezyklatanteil reduziert sicherlich die Umweltbelastungen der PET-Flasche etwas und es ist prinzipiell sinnvoll, Plastik soweit möglich zu recyceln. Hier stößt man aber auch an technische Grenzen, da Plastik im Recyclingprozess an Qualität verliert und Material verlorengeht. Zwar gibt es bereits erste Flaschen aus 100% Recyclingmaterial, allerdings braucht man für die Produktion einer Flasche zumindest 1,4 Flaschen sortenrein gesammeltes Ausgangsmaterial. Als Lösung für die große Masse geht sich das also nicht aus, schon gar nicht bei den aktuellen Sammelquoten.

Auch PET aus nachwachsenden Rohstoffen kann das ökologische Profil möglicherweise etwas verbessern, wobei hier zu beachten ist, wie und wo diese Rohstoffe produziert werden.

Am Problem von Plastikflaschen in der Umwelt ändern beide Varianten nichts. Dieses lässt sich nur durch Vermeidung (Mehrwegflaschen, eigene Trinkflaschen) und eine deutliche Steigerung der Sammelquoten (z.B. durch Einführung eines Pflichtpfands in Verbindung mit Maßnahmen zur Förderung von Mehrwegflaschen) verbessern.

Fazit

Wer weniger Plastikflaschen möchte, sollte weniger Plastikflaschen kaufen. Recyclingplastikflaschen haben zwar sicher Vorteile gegenüber herkömmlichen PET-Flaschen, die Plastikmüllmenge wird dadurch jedoch um keine einzige Flasche weniger. Die einzige müllvermeidende Alternative ist alles, was oft verwendet wird: Mehrwegflaschen aus Glas oder auch aus Plastik und die ganz persönliche Trinkflasche.

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